Microsoft-Office im Jahr 2011 – der grosse Umbau des Gebäudes stand an. Die Geschäftsleitung hatte zwei Optionen

  1. Das Gebäude wird innerhalb von einem Jahr umgebaut, die Mitarbeitenden werden in der Zeit jedoch mit dem Baulärm leben müssen.
  2. Das Umbauarbeiten werden innerhalb von 3 Monaten erledigt – die Mitarbeitenden werden in dieser Zeit im Homeoffice arbeiten.

Man entschied sich für die Homeoffice-Variante. Nicht nur das: Das Projekt war so erfolgreich, dass seither Homeoffice bei Microsoft fest verankert ist und auf allen Hierarchiestufen gelebt wird. Das Modell wird von den Mitarbeitenden rege genutzt – dies ist natürlich auch nur möglich, weil die Infrastruktur und die Arbeitsgeräte so konzipiert sind, dass praktisch alles auch zu Hause gemacht werden kann. Meetings werden über Skype abgehalten, Dokumente liegen in der Cloud und können über Laptop oder Smartphone bearbeitet werden und sind so immer auf dem neusten Stand. Diese beiden Geräte gehören zur Standard-Ausrüstung der Mitarbeitenden.

Wird zu wenig gearbeitet?
Die Frage, ob die Angestellten zu wenig arbeiten, stellt sich überhaupt nicht. Wenn schon, ist das Gegenteil der Fall. Es gilt der Grundsatz, dass die Arbeit erledigt sein muss – spielt doch keine Rolle, WO die Wertschöpfung stattfindet. Tatsache ist eher, dass die Leute zu viel arbeiten und nicht zu wenig, wenn sie so viele Freiheiten haben.

Microsoft_Office - 35

Basis-Ausrüstung: Surface, Lumia, Maus

Microsoft_Office - 22

Freie Arbeitsplatz-Wahl
Wer dennoch im Office arbeiten möchte oder doch ein persönliches Meeting hat, kann sich seinen Arbeitsplatz selbst auswählen: Die Abteilungen sind nach Etagen aufgeteilt, so dass man doch die Möglichkeit hat, unter „seinen Leuten“ zu sein. Dann gibt es viele Sofas und Lounges, welche alle mit Steckdosen ausgerüstet sind. Die Kantine ist aus Effizienzgründen so konzipiert, dass sie nicht nur während der Mittagszeit voll ist, sondern den ganzen Tag. Möchte man konzentriert arbeiten, gibt es auch dafür Räume oder stille Zonen, wie zum Beispiel die Library.
Jeder hat dann auch auf „seinem“ Stockwerk eine Box für die persönlichen Unterlagen – auch die Post kommt hier rein. Viel Platz braucht es da nicht, da ja eh alles papierlos läuft.

Das Meetingraum-Konzept
Die Meetingräume sind alle nach Forschern und Entdeckern benannt. Jedoch auch hier nach einem intelligenten System. Der 1. Stock entspricht dem First Floor – also steht hier der Buchstabe „F“ im Fokus. Somit gibt es hier Meetingräume mit den Namen „Faraday“ oder „Fibonacci“, zudem ist hier alles in grün gehalten.
Stock 2 wäre dann … genau: Second Floor – die Meetingräume heissen also zum Beispiel „Shannon“.
Vierter Stock wäre wieder mit einem „F“ – deshalb wurde diese Etage zum „Library“-Stock getauft.

Microsoft_Office - 26

Das Layout
Bei Microsoft sieht alles sehr businessmässig aus – man möchte nicht, dass die Leute hier leben, sondern arbeiten und dann am Abend zu ihren Familien zurückkehren oder aber ihren Hobbys an anderen Orten nachgehen.
Mir persönlich hat der oberste Stock sehr gut gefallen – da gab es ein grosses weisses Sofa und die Wände waren lila – das ist garantiert ein Ort, an dem die Frauen gerne arbeiten.

Food-Corners gibt es hier auf jedem Stock, Kaffee und diverse Getränke sind kostenlos. Dann gibt’s noch einzelne Bereiche, in die man nur mit dem Badge reinkommt. Ansonsten ist alles offen und man kommt mit den Leuten ins Gespräch. Sogar ich wurde im Café angesprochen, als ich auf meine Führung gewartet habe. Die zufälligen Begegnungen sind natürlich ideal für die Innovation – genau so entstehen neue Ideen, dann wenn man gar nicht damit rechnet.

Bekommt man auch einen grossen Bildschirm?
Ich persönlich arbeite mit zwei Bildschirmen, da ich viele Zahlen wälzen muss und ein kleiner Bildschirm mir nicht genügen würde. Wie das gehandhabt wird bei Microsoft, wollte ich wissen.
Antwort: Bei Finance haben die Mitarbeitenden auch mehrere Bildschirme, da das hier viel praktischer ist. Wer das auch braucht, kann sich an die herumstehenden Bildschirme andocken, die stehen zur freien Verfügung in den Räumen.

Effizienz?
Well done Microsoft, dachte ich mir: Weil ich zum Beispiel bin an meinen Arbeitsplatz gebunden und habe gar keine Möglichkeit woanders zu arbeiten, wenn ich mich konzentrieren muss…wenn die Leute um mich laut reden und lachen, muss auch ich oft meine Arbeit unfreiwillig unterbrechen. Da ist es doch verständlich, dass die Effizienz darunter leidet und auch Fehler passieren. Zudem dauert es ja immer eine Weile, bis man wieder im Thema ist nach einer Unterbrechung – wie ineffizient das ist, habe ich eben auch in meiner CAS Lean Management Weiterbildung gelernt. Man soll möglichst alle Störungen vermeiden, wäre hier das Effizienzziel.

Abgeholt hat mich Monika Staubli zu der persönlichen Führung des Microsoft Gebäudes. Sie arbeitet im Bereich Consumer PR und hat sich jetzt auch uns Bloggern angenommen.

Sie selbst ist total happy bei Microsoft und sagt: „Wenn ich mal an einem Freitag früher gehen muss, dann mache ich das und bin niemandem eine Rechenschaft schuldig. Keiner schaut komisch oder wundert sich, weshalb ich früher gehe. Hauptsache, meine Arbeit ist gemacht.“
Und die Arbeit macht sie gut und mit viel Leidenschaft, wie ich bestätigen kann.

Ein anderes Beispiel?
Das Top-Management arbeitet 2-3 Tage die Woche im Homeoffice. Wenn alles klappt, werde ich hier noch ein Interview führen können, wie die Arbeit in dem Fall aussieht.

Bei Microsoft können sich viele Firmen noch etwas abschauen – oft ist es ja noch so, dass die Anwesenheit Pflicht ist, obwohl es in vielen Fällen gar nicht nötig wäre… Arbeitgeber, die für die besten Kandidaten interessant sein wollen, werden damit auf Dauer nicht erfolgreich sein. Das sage ich jetzt voraus.

Vielen Dank an Monika und Microsoft für diese spannenden Einblicke, die ich bei euch erhalten habe.

FRAGEN;
1. Wie sieht das bei euch aus in der Firma mit Homeoffice und flexibler Arbeitsplatzwahl?
2. Falls ihr das noch nicht habt – wärst du dafür? Wieso ja oder bzw. nein?
3. Glaubst du auch, dass Firmen bei der Suche nach Fachkräften punkten können, wenn sie so ein Modell anbieten können?