Ein Gastbeitrag von Valentina Nakić


Manchmal, wenn man sich ärgert, passieren gute Dinge. Ich war gerade in einer arbeitsbedingten Minidauerpanik und ärgerte mich über dieses, jenes und den anderen, als über Slack die kuriose Anfrage kam: “Wohnst du in Luzern?”

Am Ende des Austausches hatte ich zugesagt, mir Bach reinzuziehen, vorgetragen von The English Baroque Soloists, The Monteverdi Choir, dem Lucerne Boy’s Choir und dirigiert von Sir John Eliot Gardiner im Rahmen des Oster-Festivals im KKL. Und dann über das Erlebnis zu schreiben. Da bekam ich gleich noch eine zweite Minidauerpanik. Ich mag ja Bach, ich gehe gerne an klassische Konzerte. Aber anscheinend sind die oben aufgeführten supermegaweltklasse und ich bin so etwas von unqualifiziert, über die Aufführung zu dozieren. Auch wenn meine Tochter kurzfristig beim Lucerne Girls’ Choir mitgewirkt hatte.

LUCERNE FESTIVAL ZU OSTERN. Chorkonzert 2 vom 17. März 2016. The English Baroque Soloists, The Monteverdi Choir und die Luzerner Sängerknaben unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner. Copyright: LUCERNE FESTIVAL / Peter Fischli

So, da war ich also im KKL, leicht überwältigt ob der Aufgabe auf die ich mich eingelassen hatte und freute mich schelmisch über mein Presse Ticket. Wie cool bin ich denn? (Das zeigt natürlich gleich auf, wie un-cool ich bin.) Weil ich aber nicht Presse bin, fand ich mein Ticket erst beim dritten Tisch den ich anging (eben, un-cool).

Mein Sitz war fantastisch: Neunte Reihe, Mitte der Bühne; mein Hörgenuss würde uneingeschränkt sein, es sei denn es fangen alle an, mit ihren Ricola Papierchen zu rascheln (taten sie nicht).

Und, wie war’s? Wie fand ich meine erste Mattäus-Passion? Engel sangen. Wobei die Luzerner Sängerknaben die Engel, und der Monteverdi Choir die Erzengel waren. Oder so. Es war schlicht wunderschön. Das ist jetzt ein dürftiger Beschrieb für die Grösse der Aufführung, aber ich muss ja nicht urteilen oder rezensieren. Ich soll geniessen, und das tat ich. Und ich sag’s nochmal: es war wunderschön. Und die Direktion? Sir John was charming. Irgendwie kam das durch zu mir, obwohl der Dirigent uns natürlich meist den Rücken zukehrte.

LUCERNE FESTIVAL ZU OSTERN. Chorkonzert 2 vom 17. März 2016. The English Baroque Soloists, The Monteverdi Choir und die Luzerner Sängerknaben unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner. Copyright: LUCERNE FESTIVAL / Peter Fischli

Ehrlich gesagt, zog sich der zweite Teil ein wenig zu lange hin, mag aber daran liegen, dass mir das Ende der Geschichte bekannt ist, und, naja, wieviel Engelssingen verträgt so ein moderner Normalmensch? Auch habe ich für mich festgestellt, dass ich nicht so auf das Recitativ stehe; der Erzähler und Jesus waren keine Engel. Des öfteren schweiften meine Gedanken ab, wenn sie am … Erzählen waren. Aber, eben, das ist nur meine Vorliebe.

Was mich aber beeindruckt hat: während längerer Recitativ Sequenzen, habe ich im Programm gestöbert und mich über Chöre und Orchester informiert. Dabei habe ich begriffen, dass die Engel des Monteverdi Choir alles Engländer waren, die da hochkomplizierte Texte in perfekt tönendem Deutsch von sich gaben. So etwas weiss ich zu schätzen. Mein Mann ist Amerikaner, und der kann nicht mal seinen deutschen Nachnamen richtig aussprechen.

Was soll ich sagen? Ich hatte Glück, das jemand anders absagen musste und mir dadurch zum wohl festlichsten Arbeitsdonnerstagabend, den ich je erleben durfte, verholfen hat. Dafür bin ich dankbar.

Valentina Nakić


Herzlichen Dank an Valentina für diesen Gastbeitrag. Eigentlich wollte ein Arbeitskollege zu diesem Anlass hin, da er totaler Fan ist. Kurzfristig musste er aber absagen und Valentina sprang für ihn ein. Tja, da hat er was verpasst….

-> Pressemitteilung Oster-Events

LUCERNE FESTIVAL ZU OSTERN. Chorkonzert 2 vom 17. März 2016. The English Baroque Soloist, The Monteverdi Choir und die Luzerner Sängerknaben unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner. Copyright: LUCERNE FESTIVAL / Peter Fischli

Vielen Dank an die Damen vom Lucerne Festival für diese Möglichkeit dabei 
zu sein.