Wahrscheinlich werden sich viele fragen: Lancia Flavia? Gab’s mal vor Jahrzehnten… Nun ja, das stimmt. Im Zuge der Ehe von Fiat und Chrysler ist aber auch dieser traditionsreiche Name wiederbelebt worden. Wobei der Wagen natürlich sehr amerikanische Gene hat und eigentlich ein Chrysler 200 Cabrio ist. Doch Fiat hat sich entscheiden, die Marke Chrysler in den meisten europäischen Märkten verschwinden zu lassen. Und so hat Lancia den Thema (aka Chrysler 300), den Voyager und eben das Flavia Cabrio „geerbt“.

Bei uns gibt es eine gewisse Chrysler-Tradition, da wir in den letzten Jahren einige Fahrzeuge aus dem „alten“ Chrysler-Konzern gefahren haben. So auch direkte Vorgänger des Flavia Cabrios (ein 2008er Chrysler Sebring Cabrio und ein 1996er Chrysler Stratus Cabrio). Deshalb beziehen sich manche Punkte auch auf den direkten Vergleich mit dem Sebring Cabrio.

Das Lancia Flavia Cabrio fahren wir seit September 2013, mit inzwischen etwas mehr als 7.000 KM auf dem Zähler.

Aussen

Man sieht ja eigentlich, dass sich nicht viel geändert hat. Insgesamt halte ich den (die?) Flavia für gefälliger und stimmiger, gerade im Bereich der Front mit den Scheinwerfern. Das Leuchtenband vom Standlicht als Tagfahrlicht sieht nett aus. Das Heck hat m.E. ebenfalls gewonnen.

 

Innen

Hier hat sich im Vergleich zum Vorgänger doch so manches getan. Die Materialien sind insgesamt hochwertiger, wobei man aber sicher keine Audi-Massstäbe anlegen darf. Die Armauflagen in den Türen, das Material auf dem Armaturenbrett, auch das Leder – das sieht alles besser aus und fühlt sich besser an. Die Anzeigen im Tacho sind noch auf dem Stand vom Sebring, damit sehr grob-pixelig, erfüllen aber ihren Zweck. Das Navigationssystem mit Touchscreen ist serienmässig und übernimmt auch die Aufgaben der Freisprecheinrichtung (BT-Kopplung). Das Telefon oder ein iPod kann auch im Fach unter der Mittelarmlehne über USB angeschlossen werden, die Steuerung erfolgt dann über den Touchscreen.

Unsere Innenausstattung ist schwarz. In schwarz/weiss sieht es zunächst mal schick aus, was die Haltbarkeit betrifft, hätte ich da meine Bedenken, vor allem mit Kindern…

 

Motor und Fahrwerk

Der Motor ist sicher nicht das Prunkstück an diesem Auto. Aber für unsere Einsatzzwecke ok. Der Wagen wird überwiegend in der Schweiz gefahren, schnelle Autobahn muss er also nicht können. Und für die Mischung aus Stadt und ein wenig Autobahn auf dem Weg zur Arbeit reicht es allemal. Ich kenne ja auch den 6-Zylinder aus dem Sebring, und hier ist der Unterschied in der Dynamik gar nicht mal so gross. Ok, der hatte auch nur 16 PS mehr.

Als angenehm empfinde ich die Abstimmung. Der Wagen ist m.E. „verbindlicher“, vielleicht etwas straffer abgestimmt als es der Sebring war. Hier sehe ich einen Fortschritt.

Der Sebring kam übrigens seinerzeit auf Kumho-Reifen, der Lancia fährt auf Continental. Aus meiner Sicht ein grosser Fortschritt, die Kumhos waren bei Nässe irgendwie nicht sehr vertrauenserweckend…

Verbrauch

Im Schnitt sind es jetzt etwas über 10l/100 Km, wobei die Bandbreite recht gross ist. Von 8.8 l im Schnitt mit einer Tankfüllung auf CH-Autobahnen und Landstrassen bis 11.8l im Mischbetrieb mit mehr Stadt und stop-and-go. Und wie gesagt: Der Unterschied zum alten 6-Zylinder im Sebring ist gar nicht so gross…

Familientauglichkeit

Wir fahren im Wagen ab und an auch zu viert (Kinder 5 und 12 hinten). Trotz der Länge des Autos (ca. 4.90 m) muss man dann gewisse Kompromisse eingehen. Ist der Fahrer z.B. 1.90m gross und fährt den Sitz ganz zurück, um bequem zu sitzen, dann bleibt auch für kleine Beine hinten nicht mehr sehr viel Platz. Auf der Beifahrerseite mit meiner Frau vorne stellt sich das Problem nicht.

Probleme

Bei ca. 3.000 Km gab es einen Ölverlust (einzelne Tropfen), die Ölwanne musste neu abgedichtet werden. Und einmal hat die Reifendruckkontrolle für einen Reifen nur 0.7 bar angezeigt, obwohl alles ok war. Das hatte sich aber nach einem Neustart erledigt.

Änderungen ggü. dem Chrysler Sebring Cabrio

Was hat sich ggü. dem Sebring noch geändert?

  • Scheinwerfer-Reinigungsanlage: Gibt es nicht mehr.
  • Easy Entry: Gibt es nicht mehr
  • Tankdeckel: Hat kein Schloss (weiss nicht mehr, wie das beim Vorgänger war)

Fazit

Das Flavia Cabrio ist für das unaufgeregte Cruisen ein angenehmer Begleiter. Um in der Schweiz unterwegs zu sein, reichen die 170 PS aus, wobei dem Motor allerdings ziemlich schnell die Luft ausgeht, wenn vielleicht in den Bergen zügig überholt werden soll.

Insgesamt ein aus meiner Sicht unterschätztes Auto. Hier in der Schweiz gibt es ihn neu ab ca. 18.500 Euro (22.000 CHF). Für ein eigentlich voll ausgestattetes Auto wirklich nicht viel Geld… Wobei: Das sind inzwischen nur noch Lagerfahrzeuge bzw, Direktimporte. Offiziell (auf der Homepage von Lancia Schweiz) wird das Lancia Flavia Cabrio nicht mehr geführt. Vielleicht ein Klassiker von (über)morgen?