Innovations-Partei. Gesucht: Querdenker, Spezialisten & Networker

Im Rahmen des Studiums im Bereich Business Innovation, welches ich zur Zeit mache, ist meinen Kolleginnen und mir gestern beim Mittagessen die Idee gekommen, eine Innovations-Partei zu gründen. Eine Idee, die dadurch entstanden ist, dass wir manche Sachen in der Schweiz als absurd betrachten.

  • Bsp. 1: Sportferien
    In Zürich haben nicht alle Kinder zur gleichen Zeit Sportferien. Ist das eine Kind in der Primarschule/Kindergarten, das andere bereits im Gymnasium in einem anderen Ort, so hat das erste Kind (in unserem Bsp.) in den ersten zwei Februarwochen Ferien, das andere in den letzten zwei. Seit vielen, vielen Jahren ist das schon so, und niemand macht etwas dagegen. Es wird damit argumentiert, dass ja nicht alle zur gleichen Zeit ins Skilager fahren können.Ich sage: Guckt das Problem doch mal schweizweit und nicht pro Bezirk in einem Kanton an. Für Familien ist dies eine unmögliche Situation: Mit welchem Kind soll man in die Skiferien fahren? Mehr als eine Woche Ferien liegt für die Eltern nicht drinnen. Was passiert: Es werden gar keine Ferien genommen. Als Fazit bleiben die Feriengäste aus, und die Ferienregionen beklagen sich, weil sie zu wenig Gäste haben.
  • Bsp. 2: Schulsystem
    Das Schulsystem bietet nicht mehr das, was in der Zukunft erfordert wird. Man packt immer mehr Schulstoff in den Schulplan. Die Bevölkerung ist gefangen darin, in ‚Schulstunden‘ zu denken. Wieso nicht den Kindern das beibringen, was sie in der heutigen Zeit wirklich brauchen und zwar so, dass sie gerne lernen und in die Schule gehen. So, dass auch solche Kinder Ärzte werden können, die eine Spezialbegabung auf diesem Gebiet haben und nicht in „allen Fächern“. Heute denkt man in Selektion und Aussortierung. Da hat ein Kind in Zürich ein halbes Jahr hart darauf hingearbeitet, dass es die Prüfung für’s Gymi schafft. Die Probezeit (das erste halbe Jahr im Gymnasium) schafft es dann aber nicht. Wie motivierend ist das denn bitte?
    Während in Zürich nur 17% die Matur machen, sind es in Basel oder im Tessin 30%, die studieren können. Das ist kein faires System, welches wir in der Schweiz haben. Ein Zürcher Kind hat es viel schwerer, wenn es Arzt werden möchte als ein Basler Kind (welches vielleicht dann in ZH studieren wird), weil die Rahmenbedingungen anders sind. Fair wäre es, wenn Kinder die gleichen Chancen hätten. Auch diejenigen, deren Eltern den Kindern nicht für jedes Fach einen Nachhilfelehrer besorgen können.

 

Innovationspartei

  • Bsp. 3: Mittagspause in der Schule
    Ein Relikt aus dem Mittelalter ist das, welches die Mütter (auch einzelne Väter) daran hindert, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Anstatt dass die Kinder in eine Tagesschule gehen und die Familie am späteren Nachmittag Zeit füreinander oder für Hobbys hat, rennen die Kinder in der Mittagspause nach Hause, wo Mama mit dem Essen auf sie wartet. Die Kinder könnten diese Zeit in der Schule verbringen und zB. Lunch-Kurse besuchen, die sie interessieren.
  • Bsp. 4: Frauen und Berufstätigkeit
    Dieses Beispiel knüpft an Bsp. Nr. 3 an. Viele Frauen können wegen des Schweizer Systems nicht arbeiten gehen, weil die Krippe und die Steuern ihren ganzen Lohn wegfressen: Das erging mir bei einer meiner ersten Arbeitsstelle so. Mein Mann hat dafür gezahlt, dass ich als junge Mutter und Berufseinsteigerin nach dem Studium Teilzeit (50%) arbeiten gehen konnte.
    Andere würden bei den starren Arbeitszeiten kaum ihre Familie sehen. Dabei: Die Wirtschaft braucht die gut qualifizierten Frauen. Das System aber ‚wirft‘ sie nach dem Studium wieder weg. Die Schweiz ist gemäss einem OECD Vergleich auf einem der letzten Plätze, was Frauen und Job anbetrifft. Vor der Türkei. Polen ist hier auf Platz 4 – direkt nach Finnland, Norwegen & Schweden. Erstaunt das jemanden? Für mich als gebürtige Polin ist das irgendwie logisch. Es hat mit dem Frauenbild in Polen zu tun. Aber dazu später.

Die Innovations-Partei

Deshalb sind eine Kollegin und ich überzeugt von der Idee , dass es eine Innovations-Partei in der Schweiz braucht. Hier soll es Menschen geben, die das Bestehende hinterfragen und dort neue Ansätze entwickeln, wo das aktuelle System keinen Sinn (mehr) macht. Das Absurde soll der „Papierkorb-Theorie“ (jetzt entwerfe ich noch eine neue Theorie…) weichen und Neuem Platz machen.

Immer nur am Bestehenden kleine Veränderungen vorzunehmen, ist nicht zwingend zielführend. Machmal muss man einfach Dinge von Grund auf neu überlegen und das ganze System verändern, anstatt nur an ein paar Schrauben zu drehen. Und hier ist die Schweiz nicht innovativ. Die meisten Arbeitgeber sind nicht innovativ (Stichwort: Zeiterfassung) – ausgenommen die wenigen, die die Rahmenbedingungen für Kreativität bieten und deshalb auch erfolgreich sind.

Damit so eine Idee funktioniert, braucht es Spinner, Systemkenner und Networker. Wie das genau funktioniert, erklärt Peter Kruse unten im Video. Im zweiten Video erzählt Ricardo Semler über ein innovatives Schulsystem (und warum er jeden Montag und Donnerstag stirbt). Da könnte ich mir vorstellen, dieses Konzept für die Schweiz anzupassen und zu übernehmen. Das Problem: Finden sich die Kinder im Anschluss, wenn sie studieren wollen, in dem System zurecht, in welches man die Schweizer reindrückt?
Deshalb braucht es auch hier Reformen. Damit würde sich so eine Partei auseinandersetzen.

Systemveränderung, nicht Massnahmen
Es geht darum, dass „Grosse Ganze“ zu betrachten, nicht einzelne Massnahmen. Ein anderes Beispiel hier: Ich wohne in Eglisau und bin aktiv im Bereich „Umfahrung Eglisau“. So ziemlich jede Partei befürwortet das Projekt, der Regierungsrat ist ebenfalls dafür & das Geld wäre vorhanden. Eigentlich wären alle froh, wenn durch unseren Ort nicht so viele Autos durchfahren würden, wie durch den Gotthard. Es würde unsere Lebensqualität extrem verbessern.
Nach mehreren Jahren wurde das Projekt vorgestellt. Anstatt dass es in die nächste Runde ging, wurde es um mehrere Jahre wieder zurückgeworfen. Grund: Die Natur- & Heimatschutzgemeinde ist der Meinung, dass eine dritte Brücke über dem Rhein in Eglisau nicht schön aussieht (als ob es keine schönen Brücken geben würde).
Das Ziel der Partei wäre nicht, dieses Projekt durchzubringen. Das Ziel wäre, das System so zu verändern, dass solche Projekte geschmeidig und in kurzer Zeit umgesetzt werden könnten. Jahrelanger Papierkrieg soll passé sein. Dafür würden wir Methoden & Instrumente entwickeln.

Diversity
Natürlich sollen auch Ausländer in dieser Partei sein – denn Diversity ist ein wichtiger Grundpfeiler der Innovation. Und ganz ehrlich: Je mehr Systeme jemand kennt, umso besser kann er Lösungen entwickeln. Je heterogener die Gruppe, umso besser: Junge, Alte, Städter, Ländler, Pendler, Autofahrer, Hetreros, Homos … ja, auch Eltern, die mit ihren Kindern die Sitzungen besuchen. Immerhin geht es ja auch um ihre Zukunft. Kinder sollen mitreden dürfen.

Weiter oben hatte ich erwähnt, dass ich Polin bin. Mit 7 Jahren bin ich in die Schweiz gekommen, meine Mutter war damals 30. Für sie und meine Grossmutter war es selbstverständlich, dass eine Frau arbeiten geht. Natürlich auch für ihre Männer.
In Polen existiert das Wort „Rabenmutter“ nicht. Somit wurde ich auch ganz anders erzogen, als ein grosser Teil meines Umfelds in der Schweiz: Meine Mutter – die bereits in Polen Ärztin war – bildete sich in der Schweiz weiter, machte das Staatsexamen und arbeitete bis zur Pensionierung jahrelang als Oberärztin. Doch Job & Karriere zu verbinden war hier für sie um ein vielfaches schwerer, als davor in Polen. Die ersten Jahre in der Schweiz sogar unmöglich. Diese Situation hat sich nach über 30 Jahren nicht wirklich gross verbessert, was ich selbst als berufstätige Mutter die letzten Jahre erlebt habe (ich habe 2 Kids im Alter von 6 & 13 Jahren und habe immer gearbeitet). Ich will für meine Kinder erreichen, dass sie es einfacher haben.

Wer gerne dieses Projekt mit mir aufziehen möchte, soll mir bitte per Kontaktformular eine Nachricht senden und / oder der geschlossenen Facebook-Gruppe beitreten. Ich würde das Projekt ab 2017 angehen (nach meiner CAS & Master-Arbeit. Natürlich im Bereich Innovation).

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Ich freue mich auch über Kommentare: wenn ihr noch weitere solche Fälle kennt, die die Kreativität und Innovation bremsen, hinterlasst mir eine Antwort.

Herzlichst,
Justi