Mit der Elektromobilität ist es ja so eine Sache: Es gibt glühende Verfechter, grosse Kritiker und ganz, ganz viele, für die die Sache bis jetzt noch kein Thema ist. Wie in diesem Blog zu lesen ist, fahren wir seit über einem Jahr einen sog. Plugin-Hybrid, den Mercedes E350e – ein Modell, das es so schon gar nicht mehr neu zu kaufen gibt. Vierzylinder-Motor und dazu eine «kleine» Batterie. Theoretische Reichweite «auf Strom» gut 30 Km, tatsächliche Reichweite rein elektrisch her 20 Km – wobei die Einsatzbedingungen (Temperatur, Steigungen, Besschleunigen etc.) natürlich einen grossen Einfluss haben.

Wobei, das ist nur eine Seite der Medaille: Die andere Seite ist, dass man mit diesem Wagen durchaus zu 1/3 elektrisch unterwegs sein kann – wenn man will – und ohne dabei ein Verkehrshindernis zu sein. Will heissen: Auf einer Strecke von ca 300 Km lässt sich durchaus auch auf 100 Km ohne Verbrenner fahren – und das bei einer Batteriekapazität von nur 30 Km… wie das geht: Nun, zum einen über die eigentliche Kapazität der Batterie (vollgeladen los), zum anderen über die Rekuperation im Fahrbetrieb (beim Bremsen, Ausrollen…). Das Ergebnis sieht dann so aus, dass wir bei «unseren» Einsatzbedingungen über 25.000 Km Fahrleistung einen Durchschnittsverbrauch von 6,0 l/100 Km realisiert haben, nicht allzu schlecht für ein Fahrzeug mit einer Systemleistung von 286 PS.

Auch das geht beim E350e – mit einer Tankfüllung von gut 50l

Familienzuwachs

Nun ist eine E-Klasse von Mercedes halt kein kleines Auto. Und zumindest keines, das von meiner Frau aufgrund der Grösse sehr gern gefahren wird – trotz 360 Grad-Kamera usw. Und so stand die Frage im Raum, welcher Kleinwagen als Ergänzung in Frage käme. Einmal auf den Geschmack gekommen, haben wir uns natürlich vor allem bei den E-Autos umgesehen – und da ist die Auswahl ja noch nicht riesig. Bei einer Familie mit vier Personen sollten zumindest auf kurzen Strecken auch alle vier im Auto sitzen können, und aufgrund der guten Erfahrungen mit dem langjährigen Mercedes-Händler kam dann schnell ein Smart forfour EQ in die engere Wahl. Und wie es der Zufall will, stand ein solcher auch gerade beim Händler im Showroom. Sofort verfügbar – was ja bei den gängigen Lieferzeiten von Elektromodellen durchaus ein Vorteil sein kann. Eine Woche später stand der «Kleine» in der Prime-Version bei uns in der Garage.

Smart forfour EQ prime – hier mit Winterrädern

Einer der wenigen dezenten Hinweise auf den E-Antrieb

Auch von hinten – auf den ersten Blick ein Smart wie jeder andere

Einen Monat später hat der EQ bereits über 1.000 Km auf dem Zähler. Und die waren insgesamt durchaus vergnüglich. Die 82 Elektro-PS machen durchaus Laune – und haben mindestens einen Audi-Fahrer an der Ampel schon ziemlich überrascht 😉 Rein elektrisch zu fahren kann auch einfach Spass machen: z.B. Spass an der Ruhe oder Spass an der Leistungsentfaltung. Wobei: Leistung kostet Energie, das ist natürlich nicht nur bei Verbrennern so. Der angezeigte Verbrauch über die gesamten 1.000 Km liegt aktuell bei uns bei ca. 19 kWh auf 100 Km. Dabei ist anzumerken, dass eine Fahrt in die Stadt eben immer auch über die Autobahn führt. Will man dort nicht mit 80 Km/h als «Wanderdüne» unterwegs sein, dann merkt man das beim Energieverbrauch. Dazu ist natürlich noch Winter, was aufgrund Aussentemperaturen die Heizung zum Einsatz bringt und auch einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Akkus hat. Der bisherige Minimalverbrauch lag auf einer Strecke von 60 Km bei 16 kWh/100 Km – und es wird interessant sein zu sehen, wie sich der Verbrauch bei höheren Temperaturen im Frühling entwickelt. Liest man von den Testverbräuchen anderer E-Autos, dann erscheint der Verbrauch aktuell relativ hoch.

«Reichweitenangst»

Das ist schon ein tolles Wort… Aber eben: Während man bei einem Auto mit Verbrenner im Notfall mit einem Kanister an die Tankstelle gehen kann, so kann man bei einem E-Auto ja nicht einfach mal ein Kabel legen… Smart gibt eine theoretische Reichweite von max. 160 Km an. Eben: theoretisch… Bei unserem aktuellen Nutzungsprofil standen auf der Reichweitenanzeige bis jetzt maximal 106 Km – und das nach Fahrten, wo der Eco-Modus aktiviert wurde (mit entsprechenden Konsequenzen z.B. bei der Heizleistung bzw. erhöhter Rekuperation). Bei Temperaturen um null Grad, ohne Eco-Modus und mit 2/3 Autobahn war die Batterie schon nach 65 Km auf «Reserve» (also bei 20% Restkapazität).

So sah das heute beim Start aus: Reichweite 103 Km

Führt man sich vor Augen, wie Autos druchschnittlich genutzt werden und nimmt den Smart EQ als Wagen für die täglichen Pendlerstrecken, dann ist das alles natürlich kein Problem. Eine Ladung reicht für den täglichen Weg aus – und am Abend hängt der Smart wieder an der Wallbox (die wir bereits letztes Jahr für den Mercedes hatten installieren lassen). An dieser lädt der EQ seinen Akku in eineinhalb Stunden voll (ohne den optionalen 22 kWh-Lader).

Eine EQ-spezifische Anzeige: Stromverbrauch und Rekuperation

Das Zusatzinstrument mit Informationen zu Ladezustand, Leistung und Rekuperation

Vorläufiges Fazit

Ob ein rein elektrisches Fahrzeug zum eigenen Nutzungsprofil passt, muss natürlich individuell betrachtet werden. Und bei einem Erstwagen sieht es vielleicht anders aus als bei einem Zweitwagen. Passt das Nutzungsprofil, so kann man sich durchaus auch aus nicht primär ökologischen Motiven für ein E-Auto entscheiden. Ja, es gibt E-Autos mit grösserer Reichweite, mit grösserer Leistung, mit mehr Platz… Der Smart forfour EQ macht seine Sache für unseren Einsatzzweck aber recht gut. Er hat genügend Platz, ist variabel, die Reichweite passt, und dank der Wallbox ist er auch in vertretbarer Zeit wieder voll geladen. Bis jetzt: Daumen hoch!