Manchmal kommt es wohl doch wie es kommen soll. Gestern war ja der Verkaufsstart der Apple Watch in der Schweiz. Da ich im Ausland war, hatte ich den eigentlich vergessen. Gegen 9 Uhr ist es mir dann in den Sinn gekommen, und ich habe mir mal in Online-Store die Modelle angeschaut, die mir so gefallen hatten (ich hatte zuvor schon mal im deutschen Online-Store geschaut…). Lieferzeit für mein bevorzugtes Modell ca. ein Monat… Hm, ok. Doch dann war da ja noch der Link „Reservierungsmöglichkeiten prüfen“. Klick, Auswahl des Stores im Glattzentrum (Bahnhofstrasse war gar nicht auswählbar), und siehe da: Die Uhr war reservierbar! Uhrzeit auswählen (spät, denn ich musste ja noch zurück in die Schweiz). Dieser Prozess war insgesamt etwas komplex… SMS mit angezeigtem Code an eine Schweizer Handnummer senden, Bestätigungscode online eingeben… Wie auch immer, es hat funktioniert. Etwas überrascht hat dann noch der Hinweis, dass man seine ID (für Nicht-Schweizer: den Personalausweis) mitnehmen solle, damit die Identität überprüft werden kann.

Die Rückreise in die Schweiz verlief gut, und so war ich dann pünktlich im Glattzentrum. Dort gab es einen eigenen Wartebereich für Watch-Kunden (wo es zum Verkaufsstart um 9 Uhr offenbar eine Schlange gab, an der Bahnhofstrasse sollen wieder einige Menschen übernachtet haben). Nach der Anmeldung und einer kurzen Wartezeit wurde ich in Empfang genommen. Da ich die Uhr bislang nie am Arm hatte, habe ich sie erst einmal probiert. Passt! Also final zugesagt, die Uhr kam aus dem Lager. Da ich auf die angebotene Installation und Einweisung verzichtet hatte, dauerte das alles vielleicht fünf Minuten (inkl. Zahlung natürlich). Es gab dann noch eine spezielle Tasche für die Uhr. Nice.

Im Starbucks wollte ich die Uhr dann mit dem iPhone verbinden. Ernüchterung. Vier Versuche fehlgeschlagen. Zurück in den Store, wo man mir sagte, dass ich die Netzwerkeinstellungen zurücksetzen sollte. Gesagt, getan, und das Pairing hat sofort geklappt.

Was kann ich nach einem Tag sagen? 

  • Es ist einfach eine schöne Uhr. Ich habe für mich das Modell in Edelstahl mit Lederband ausgesucht. Das gibt einen m.E. schönen Kontrast zwischen moderner Smartwatch und klassischer Uhr. Ein Sportband könnte auch eingesetzt werden, wenn man das will.
  • Es ist wirklich sehr viel personalisierbar. Über die Watch-App auf dem Telefon oder auch auf der Ihr selbst (z.B. Auswahl/Gestaltung der Uhrendarstellung).
  • Ich habe mich zu wenig bewegt. Bis jetzt zeigt der Aktivitätsmonitor, dass ich erst knapp die Hälfte der definierten Kalorienanzahl verbraucht habe… Ob der Hausputz dabei richtig erfasst wurde?
  • Wenn ich in „meinem“ Tempo zügig laufe, interpretiert die Uhr das gemäss Aktivitätsmonitor bereits als „Training“. Ok, meine Frau sagt ja auch, dass ich zu schnell laufe…
  • Nach einigen Wochen ganz ohne Uhr ist es fast wieder ungewohnt, etwas am Arm zu haben. Ich hatte die erste Version der Samsung Gear ein gutes Jahr fast täglich getragen. Da ich aber das Samsung Handy nicht mehr habe, machte die Uhr allein wenig bis keinen Sinn. Und ich wollte mir eben die Apple Watch mal anschauen…
  • Die automatische Aktivierung der Uhr bei Armdrehungen funktioniert bisher gut. Natürlich geht das auch per Tippen auf den Bildschirm.
  • Das „Klopfen“ auf den Arm bei einer Benachrichtigung ist angenehm, aber irgendwie noch schwierig zu beschreiben.
  • Nach 10 Stunden zeigt der Akku bei wenig aktiver Nutzung (keine Telefone oder Spielereien) noch 69%. Ich hatte über Nacht aufgeladen (die Ladeplatte ist magnetisch, und man legt die Uhr drauf).
  • Bis jetzt konnte ich keine Hänger o.ä. beobachten. Die Ladezeiten mancher Apps sind aber sicher etwas zäh…

Fazit:

Für einen Technik-affinen Menschen ist die Uhr ein nettes „nice-to-have“. Man wird sehen, wie sich die Apps entwicklen und ob das mit Barcodes auf der Uhr (Checkin am Flughafen, Kundenkarten) alles einwandfrei funktioniert. Ob die Uhr eine Bedrohung für die klassische Uhrenindustrie wird? Bedingt. Ich könnte mir vorstellen, dass es Uhren wie eine Tissot mit Touch-Funktionen schwerer haben wird. Eine echte Luxusmarke im Bereich mehrerer tausend Franken sehe ich weniger bedroht – allein schon wegen des zu erwartenden kurzen Lifecycles einer Smartwatch.